Aufruf von Gush Shalom
und anderen israelischen Menschenrechtsgruppen
zur Demonstration in Tel Aviv

Beendet das Töten und die Zerstörung!
Stellt das Feuer ein, hebt die Belagerung auf,
sucht Frieden!

Samstag, 19. Juli, 2014, 20.00 Uhr, Habima Platz, Tel Aviv

 


  

Es ist verboten, auf die Zivilbevölkerung zu schießen. Es ist verboten und doch passiert es.


Beide Seiten tun es. Hamas schießt auf die Bevölkerung Israels. Israel schießt auf die Bevölkerung des Gazastreifens.


Zwei gleich starke Seiten? - Weit gefehlt. Der israelische Staat hat eine gewaltige militärische und ökonomische Stärke. Mit massiver finanzieller Unterstützung durch die USA hat Israel das System der „Eisenkuppel“ aufgebaut, eine riesige technologische Errungenschaft, die uns schützt. Deshalb sind die Raketenangriffe auf israelische Städte vor allem eine Lärmbelästigung. Der Luftalarm irritiert, beeinträchtigt ein bisschen die tägliche Routine, lässt manchmal erschrecken, aber nicht viel mehr.


Die Menschen in Gaza haben keine „Eisenkuppel“, nicht den geringsten Schutz vor dem Tod, der aus der Luft, vom Meer und von Land auf sie herab fällt. Der israelische Staat beschießt Gaza ununterbrochen und tötet und tötet und tötet.


Ja, der israelische Staat plant nicht vorsätzlich, unschuldige Zivilisten zu töten, Männer und Frauen, Alte und Kinder, die am Strand Fußball spielen. Es gibt keine vorsätzliche Planung – aber es ist Realität. Das Töten unbewaffneter Zivilisten in Gaza geht weiter, Tag um Tag, Stunde um Stunde. Mehr als 300 Palästinenser sind getötet worden. Ein großer Teil davon waren unbewaffnete Zivilisten, Dutzende waren Kinder, und es geht weiter.


„Warum schießen sie auf uns?“ wundert sich der selbstgerechte, aus dem Amt geschiedene Präsident von Israel und Nobelpreisträger. „Warum machen sie Gaza nicht zu einem florierenden Singapur?“


Aber Simon Peres hat vergessen zu erwähnen, dass der Stadtstaat Singapur, dessen Bevölkerungszahl und Größe mit dem Gazastreifen vergleichbar sind, den größten Hafen der Welt hat. Dort gibt es niemanden, der Tausende Schiffe, die den Hafen von überall aus der Welt anlaufen, blockiert und den Handelsfluss, auf dem Singapurs Reichtum basiert, aufhält.

 

Der winzige Hafen von Gaza ist geschlossen und blockiert. Die israelische Marine wacht darüber, dass auch nicht das kleinste Schiff den Hafen erreicht und schießt auf Fischerboote aus Gaza, die sich mehr als ein paar Kilometer ins Meer hinauswagen.


Gaza ist ein riesiges Gefängnis für seine fast 2 Millionen Bewohner. Der Staat Israel und sein Nachbar Ägypten – zu dem die Beziehungen erheblich enger geworden sind, seitdem General Sisi die Macht an sich gerissen hat – kooperieren dabei, die Belagerung Gazas aufrecht zu erhalten und halten die Bevölkerung effektiv eingekerkert, ohne einen Schritt nach draußen machen zu können. Die Menschen in Gaza leben am Meer, sie können am Strand baden und spielen (außer an den Tagen, wo tödliche Geschosse vom Meer kommen). Aber sie können nicht in ein Boot steigen und aufs Meer hinausfahren und auch nicht mit dem Flugzeug irgendwohin in der Welt fliegen. Auch der Landweg ist fast komplett verschlossen. Seit Jahren sind Millionen Menschen in diesem winzigen, engen, überbevölkerten Stück Land, das der Gazastreifen ist, eingeschlossen.


„Wir belagern sie, weil sie auf uns schießen“, sagen die Führer Israels. (Übrigens, die Belagerung Gazas begann lange bevor die Hamas die Macht dort übernahm.)


„Wir schießen, weil Ihr uns belagert. Wir werden keinem Waffenstillstand zustimmen, der nicht auch die Belagerung aufhebt“, sagten Einwohner Gazas diese Woche. (Und nicht alle von ihnen sind Hamas-Anhänger.)


Es gibt keinen Weg zu einem Waffenstillstand, der einfach nur die Situation von vor zwei Wochen wiederherstellt. Die Situation von vor zwei Wochen war untragbar – eine Situation, in der eine absolute Belagerung Gazas bestand, die eine Leid verursachende und wirtschaftliche Erstickung hervorbrachte und zu immer extremerer Armut unter der Bevölkerung führte. Die Belagerung Gazas hat etliche Konfliktrunden verursacht. Die Fortsetzung der Belagerung wäre das sichere Rezept für eine neue Runde in ein oder zwei Jahren.

 

Nur die Aufhebung der Belagerung von Gaza, wenn den Bewohnern ermöglicht wird, zu kommen und zu gehen über Land, übers Meer und durch die Luft, wenn Güter ein- und ausgeführt werden können und sich die Wirtschaft entwickeln kann, kann für die Zukunft Hoffnung eröffnen. Nur die Aufhebung der Belagerung kann eine Chance für Frieden und Ruhe an der Grenze Israels zum Gazastreifen geben.

 

Übersetzung: Ingrid Rumpf


Verantwortlich: Arbeitskreis Palästina im Nürnberger Evangelischen Forum für den Frieden
Dr. Rüdeger Baron, K.‐Zimmermann‐Str. 33, 90552 Röthenbach