Walter Herrmann, Hohnrather Straße 15, 51109 Köln

 

Der Gruppe Kölner Arbeiterfotografen zum 35. Jahr ihres Bestehens
„Volle Power für die KLAGEMAUER

 

Die Initiative Kölner Klagemauer möchte nicht versäumen, den Arbeiterfotografen zum 35. zu gratulieren und ihnen gleichzeitig für ihr Engagement zugunsten des Klagemauerprojekts danken.


Wie unsere Initiative bezieht sich die Gruppe der Arbeiterfotografen auf die 68-er- und die Friedensbewegung. Ihr geht es darum, kritische Öffentlichkeitsarbeit von unten herzustellen und auf diese Weise politisch zu wirken. Im schwierigen Situationen standen die Arbeiterfotografen uns zur Seite und ermöglichten, dass das Klagemauer-Projekt, das dem Stadt-Oberen immer ein Dorn im Auge war, sich auf der Domplatte halten konnte. An einigen Beispielen möchte ich erläutern, wie sehr uns die Arbeiterfotografen, insbesondere Anneliese, Andreas und Senne in der zurückliegenden Zeit geholfen haben.


1991


Im Januar 1991 entstand auf der Domplatte im Rahmen der Mahnwache gegen den Golfkrieg die Klagemauer für Frieden. Auch nachdem sich die Mahnwache aufgelöst hatte, blieb die Klagemauer. Wenige Tage vor Fronleichnam räumte sie das Ordnungsamt über Nacht ab. Das hätte das Aus für unser Friedensprojekt bedeuten können. Dass das Projekt dann doch noch eine Chance bekam, ist dem Kunstpromotor AL GORMAN aus den USA und den Arbeiterfotografen, die ihm zuarbeiteten zu danken.


Al Gorman war damit beschäftigt, in Louisville, der Hauptstadt von Kentucky, unter dem Titel „Between the Wars“ eine Ausstellung mit Werken deutscher Künstler der Weimarer Zeit zu organisieren. Auf seiner Visite in Köln entdecke er die Klagemauer gegen den Golfkrieg und war davon fasziniert. So kam er auf die Idee, die Klagemauer als Beispiel deutscher Gegenwartskunst gegen den Krieg in seine Ausstellung einzubeziehen. Die Arbeiterfotografen übernahmen spontan die Verschickung einer großen Auswahl von Klagemauer-Täfelchen und lieferten dazu noch einige Fotoaufnahme zum Klagemauer-Projekt.


Auf die Nachricht von der Räumung der Klagemauer hin sorgte Al Gorman dafür, dass die Stadt Louisville von der Stadt Köln die Herausgabe der Klagmauer-Materialien erbat. Dieser Bitte entsprechend rückte das Ordnungsamt die „sichergestellten“ Sachen heraus. Auch konnten wir dann – immerhin bis Mitte Oktober 1996 – das Klagemauer-Projekt am Dom fortführen.


1998


Zwei Jahre nach der spektakulären Nacht- und Nebelräumung der großen Klagemauer vor dem Dom erhielt die Initiative Klagemauer den Aachener Friedenspreis. Vom Zug zur Aula Carolina, in der die Preisverleihung stattfand, und von der Preisverleihung selbst machten die Arbeiterfotografen professionelle Fotos und gestalteten mit ihnen und Auszügen aus der Laudatio eine vorzügliche Dokumentation, die uns in der weiteren Auseinandersetzung mit der Stadt Köln sehr nützlich war.


2010


Ende 2010 eröffnete der Kölner Oberbürgermeister Roters mit einer von ihm in Umlauf gebrachten „Resulution“ eine schmutzige Kampagne gegen die Klagemauer, unterstellte ihr eine „antisemitische“ Intention und bezeichnete sie als „Botschaft des Hasses“. In dieser Situation sammelten die Arbeiterfotografen aktuelle Gegenerklärungen von „Klagemauer“-Unterstützern, darunter auch prominente jüdische Persönlichkeiten wie Evelyn Hecht-Galinski, Abrahm Melzer, Stephane Hessel, und machten sie publik.


2011


Im Jahr 2011 musste die Klagemauer-Initiative um ihre Räumlichkeiten im Bürgerzentrum Alte Feuerwache kämpfen. Auf dem Gelände des Zentrums sollte ein 6 Mio. Euro teurer Baukomplex entstehen für ein „Leuchtturm-Projekt“ mit der Bezeichnung „Kulturbotschaft“. Die Finanzierung druch einen Investor war schon geklärt. Um Platz zu schaffen, sollte der zur Melchiorstraße gelegene Gebäudeteil des Zentrums – Pförtnerhäuschen, Ausstellungshalle und große Lagerhalle – platt gemacht weden. Pförtnerhäuschen und ein Teil der Lagerhalle wurden seit Jahren von der Initiative Klagemauer genutzt.


Eine Unterschriften-Aktion gegen das Bauvorhaben nahm der damalige Vorstand der Alten Feuerwache zum Anlass, der Klagemauer-Initiative das Pförtnerhäuschen zu kündigen und den Zugang zur Lagerhalle zu sperren. Die Arbeiterfotografen, selbst eine Nutzergruppe des Zentrums, legten sich darauf in Zeug, mobilisierten Mitglieder des Bürgervereins und setzten zusammen mit ihnen eine außerordentliche Mitgliederversammlung durch. Diese entschied klar zugunsten der Klagemauer-Initiative und machte die gegen sie gerichteten Maßnahmen rückgängig.


Damit war aber noch nicht der drohende Abriss der von uns genutzten Räumlichkeit abgewendet. Gemeinsam mit den Arbeiterfotografen und einer Stadtteil-Initiative kämpften wir weiter für die Erhaltung des status quo und fanden zunehmend die Unterstützung der Bewohner des Agnesviertels. Letztlich haben wir gewonnen.


Köln, 18.12.2013

 

Für die Initiative Klagemauer
Walter Herrmann