„Das Blaue Wunder“
Eine Groteske über die aufhaltsame Privatisierung des Wassers

Die Berliner Compagnie spielt am 22. März 2013 anlässlich der 14. Aachener Friedenstage in der „Kappertz Hölle“, dem Saalbau in Aachen Rothe Erde.

 

Regie: Elke Schuster, Musik: Rondo Beat
In den Rollen: Elke Schuster, Jean-Theo Jost, Dimo Wendt, H.G. Fries

 

Das Trinkwasser wird knapp. Dadurch empfiehlt es sich dem nach profitablen Anlagen suchenden Kapital. Kein Land also, dem nicht das blaue Wunder versprochen wird, kein von Geldnöten geplagter Kommunalpolitiker, der nicht darauf versessen wäre, die Wasserversorgung seiner Stadt zu privatisieren. Aber auch keine Privatisierung, der nicht der Katzenjammer folgt. Die Konzerne investieren nicht ausreichend ins Netz, die Qualität des Wassers sinkt, ein Großteil der Angestellten wird entlassen und die Wasserpreise steigen horrend.


Trotz dieser Erfahrungen und obwohl die Behauptung, private Unternehmen würden überall besser arbeiten als öffentliche Betriebe, im Wasserbereich auf eklatante Weise widerlegt worden ist, wird mit Unterstützung kurzsichtiger oder korrupter Politiker, der Weltbank und sogar des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Privatisierung der Wasserversorgung weltweit vorangetrieben. Weltweit aber stehen auch immer mehr Menschen dagegen auf, dass ihnen ihr wichtigstes öffentliches Gut entrissen wird.

 

„Das Blaue Wunder“ stellt den „Wasserkrieg von Cochabamba" im Jahr 2000 in Bolivien in den Mittelpunkt. Nach Tariferhöhungen bis zu 300 %, der Enteignung ihrer Brunnen und dem Ansinnen, selbst für aufgefangenes Regenwasser an den Bechtel-Konzern zu zahlen, ging die Bevölkerung auf die Barrikaden. Vier Monate lang tobte der Kampf. Am Ende verließen die Manager fluchtartig das Land, und das Wasser ging wieder in die öffentliche Hand zurück.

 

Mit dieser Handlung werden andere Schauplätze des Kampfes verbunden: Vor allem Berlin, aber auch Hamburg, Münster, Mülheim, Beilrode-Arzberg, London, Jakarta, Manila und andere Städte kommen vor. Die Figuren im Stück sind ausgedacht, die zugrunde liegenden Fakten sind es nicht. In dieser Gangsterkomödie ist leider nur wenig erfunden.

 

So führt die Inszenierung im Stil eines Comics die weltweite Auseinandersetzung um das Wasser vor: Szenen des Verbrechens, des Leidens und des Aufbegehrens, des organisierten Protestes und des Siegs.

 

Die Privatisierungen sind aufhaltbar.

 

 

 

In diesem Zusammenhang einige wichtige Fakten aus dem Film „Water Makes Money“

  • 80 % der Wasserversorgung in Frankreich sind privat.

  • Veolia argumentiert: Nicht privat sondern: Public Privat Partnerchip (PPP) das bedeutet: Die Anlagen bleiben bei der Gemeinde. Bewirtschaftung durch die Konzerne.

  • In den letzten zehn Jahren ist der Wasserpreis in Paris um mehr als 103 % gestiegen.

  • Tätigkeitsfelder Veolia: Wasser, Abwasser, Abfallentsorgung, Transport, Heizung; Ende der Achtzigerjahre: TV, Zeitung, Musik, Schulspeisung, Krankenhäuser 

  • Grenoble 1989 privatisiert. 2 Mio € Bestechungsgelder. Mehrere Jahre Gefängnis für den Bürgermeister.

  • Zehn Jahre privat, danach wieder zehn Jahre öffentlich. Vergleich also möglich.

  • Unter Veolia Preissteigerung, danach Preissenkung bei Verdreifachung der Wartung.

  • Das sogenannte „Eintrittsgeld“ für die Kommunen. Zum Beispiel Toulouse: 435,5 Mio. Franc. Das Geld wird über den Wasserpreis bezahlt, mit Zinsen: erste Rate 10,49 %, zweite Rate 9,55 %. Verwendet wurde das Eintrittsgeld für Steuersenkung, Kongresszentren etc.

  • Braunschweig: Kaufpreissumme 238 Mio €. In Wirklichkeit ist es ein Kredit, der von Endverbrauchern bezahlt werden muss. „Verkauft“ werden Strom, Wasser, Gas, Straßenbeleuchtung, Ampeln, Abwasser. Der Oberbürgermeister von Braunschweig: „Diese Vorgänge sind kompliziert, so kompliziert, dass die Bürger das nicht verstehen.“
     
  • Wasserverluste durch defekte Leitungen: Diese betragen im öffentlichen Leitungsnetz 3 bis 12 %, in privaten Leitungen 17 bis 27 %. In Avignon sind es 35 %, in Arles sur Tec sogar 44 %.

  • Die privaten Wasserversorger investieren nur ein Drittel der dafür vorgesehenen Beträge für Instandhaltung. Bricht ein Rohr, so gilt das schon als Neuinvestition, für die der Endverbraucher extra zahlt.

  • Um sauberes Wasser zu erhalten, muss ökologischer Landbau gefördert werden.

  • München: Das machen die Stadtwerke München durch Schaffung von Anreizen.
  • Lobbyarbeit bei der EU! Die EU-Kommission 2009: „Wasser ist eine Ware wie jede andere auch.“
  • Wasser gehört als Menschenrecht in die Verfassung

  • Stuttgart hat re-kommunalisiert nach Bürgerbegehren

  • Volksbegehren auch in Berlin

  • Pariser Wasserversorgung wieder in kommunaler Hand

  • Die beiden wichtigsten Konzerne: VEOLIA Environnement und SUEZ Environnement mit den Tochterunternehmen Lyonnaise des Eaux (seit 2001 GDF Suez) und SITA Deutschland